Es war einmal eine schöne und stolze Königstochter. Ihr Vater fand, dass sie nun alt genug sei zum Heiraten. Er lud alle heiratsfähigen Männer ein und stellte sie ihrem Rang entsprechend auf: zuerst die Könige, dann die Herzöge, Grafen und Edelleute. Doch die widerspenstige Tochter wollte keinen zum Mann nehmen. An jedem hatte sie etwas auszusetzen: der eine war zu dick, der andere zu kurz oder zu lang. Einen König mit einem vorstehenden Kinn verspottete sie und sagte, «der hat ein Kinn wie die Drossel einen Schnabel!». Da ward der Vater zornig und schwur, sie solle den erstbesten Bettler heiraten.
Eines Tages erschien ein armer Musikant, spielte vor dem König und bat um ein Almosen. Doch der König liess ihn gleich mit seiner stolzen Tochter verheiraten und wies sie hernach aus dem Schloss. Da zogen die beiden in die Hütte des armen Musikers. Dort musste die stolze Königstochter hart arbeiten. Sie erkannte allmählich, dass sie in ihrem Leben zu hochmütig gewesen war und bereute ihren Fehler bitter.
Eines Abends begegnete sie auf dem Schloss einem Königssohn, der mit ihr tanzen wollte. Da erkannte sie, dass es der von ihr verspottete König Drosselbart war, der sie in den Saal zog. Alle Anwesenden lachten sie aus, sie aber schämte sich und wollte flüchten. Doch Drosselbart sprach: »Fürchte dich nicht. Ich bin dein Mann und zugleich der König Drosselbart. Dies alles musste geschehen, um deinen Stolz zu beugen und dich für deinen Hochmut zu strafen«. Da entschuldigte sie sich und alle feierten die prächtige Hochzeit der Königstochter mit König Drosselbart.
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