Fräulein Julie

 

Ist Liebe über gesellschaftliche Schranken möglich?

 

Naturalistisches Trauerspiel von August Strindberg

Euro-Studio Landgraf

 

Mittwoch, 10. Februar 2021 um 19.30 Uhr

im EQUILIBRE, Freiburg

 


Das Stück hat vordergründig eine einfach konstruierte Geschichte: Julie, Tochter eines Grafen und Gutshofbesitzers, lässt sich in der erregenden Atmosphäre der Mittsommernacht mit dem Diener Jean ein. Am nächsten Morgen folgt bitteres Erwachen. Was wird sie tun, was er?

Wie diese Begegnung jedoch von Strindberg sensibel, realistisch, spannend und überraschend in der Charakterzeichnung erzählt wird, macht verständlich, warum dieser Einakter zum berühmtesten und meistgespielten Drama des Dichters wurde. Da ist Julie: Von ihrer rebellischen Mutter wie ein Junge erzogen, unbefriedigt, leidenschaftlich, unbeherrscht, hofft, es mit dem Mann aufnehmen zu können, und sucht jemanden, der mit ihr die Grenzen von Konvention und Standesheirat überspringt. Und da ist Jean: der Untergebene, Fremde, gewandte Tanzpartner mit noch anderen überraschenden Fähigkeiten und Eigenschaften.

Julie provoziert Jean, dieser reagiert mit romantisch-ritterlichen, verträumt-poetischen Gesten und Worten, warnt Julie jedoch vor sich: Er tauge nicht als Spielzeug. Nach der gemeinsamen Nacht haben sich die Machtverhältnisse verschoben. Jean zeigt nun seine brutale Seite, mutiert jedoch gegenüber dem zurückkehrenden Grafen rasch wieder zum devoten Diener, während das adlige Fräulein von einer heftigen Identitätskrise geschüttelt wird, aus der sie einen Ausweg sucht.

1889 uraufgeführt, wurde das Stück richtungsweisend für das moderne Theater mit seinen Figuren in Epochen des Übergangs – schwankend zwischen überkommenen Rollen- und Standesforderungen und aufbrechenden Freiheits- und Glücksvorstellungen.